Dienstag, 5. Januar 2016

Abschied

Abschied

Ich bin nun schon seit dem 01.09. wieder in Deutschland. Eigentlich wollte ich meinen letzten Blogeintrag schon lange verfassen, aber ihr kennt mich ja. Pünktlichkeit war noch nie so mein Ding. Es ist schon ziemlich peinlich wenn man bedenkt, dass ich in unfassbaren 15 Tagen wieder nach Kamerun fliege!

Die Ankunft in Deutschland viel mir sehr schwer aus ganz verschiedenen Gründen.
Aus Kamerun zu gehen war viel schlimmer als aus Deutschland zu gehen. Natürlich hatte ich vor meiner Reise nach Kamerun Angst den Kontakt mit meinen Freunden zu verlieren und alleine zu sein, doch in der heutigen Zeit mit WhatsApp, Facebook, Skype und Co. ist es unmöglich den Kontakt zu verlieren, selbst wenn man will.

Ich würde sagen mein Jahr in Kamerun teilte sich in drei Abschnitte ein:

Am Anfang war alles neu und anfangs noch aufregend, später bemerkte ich natürlich auch was einem schwer fällt. Anfangs war ich noch relativ alleine und musste erstmal warm werden mit neuen Aufgaben, neuer Verantwortung und mit einer fremden Kultur, meinen Mitbewohner und allem was neu war.

Nach etwa 5 Monaten fühlte ich mich schon gut integriert in Kamerun und es gab keine absoluten Neuheiten für mich mehr. Die Aufregung ist weg. In dieser Zeit lernte ich meine wirklich guten Freunde in Kamerun kennen. So ganz ohne irgendwelche Hindernisse oder Kontrolle aus Deutschland fühlt man sich ganz schön frei und macht die verrücktesten Dinge und dabei lernte ich tolle Menschen kennen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Dazu zählen natürlich auch die anderen deutschen Freiwilligen, die mir mein Jahr versüßt haben. Es war sehr schön Menschen um mich zu haben, die Erlebnisse mit mir teilen und mich so gut verstehen konnten.
Natürlich habe ich auch ganz wunderbare KamerunerInnen kennengelernt.

Die letzten 1,2 Monate drehten sich bei mir nur um Abschied.

Was will ich alles noch mal gemacht haben bevor ich gehe? Welche Menschen möchte ich noch treffen? Wem soll ich was schenken? Wie geht es in Deutschland weiter? Studiere ich, oder lieber noch nicht? Wann ist die Bewerbungsfrist? Wie soll ich überhaupt so schnell eine Wohnung finden und wo ist das nächste Internetcafé?

Fragen über Fragen. Es war nicht immer einfach eine gute Lösung zu finden, aber ich habe meine letzten 2 Monate in Kamerun voll ausgekostet. Die 2 letzten Monate wohnte ich in Bafoussam bei meinem Freund. Ich bin noch viel gereist und habe auch noch viel Zeit in Bali verbracht. Jedes Wochenende fuhr ich wieder nach Bali um noch einmal Abschied zu feiern. Ich weiß gar nicht wieviele „Send-Off“ Partys ich gegeben habe.

Natürlich war nicht alles rosig in diesem Jahr, bei wem ist es das schon? Schon gar nicht wenn gefühlt 1.000 neue Dinge dich überrollen. Nicht unbedingt kulturbedingt, sondern auch Dinge des alltäglichen Lebens: Die erste eigene Wohnung, Leben in einer WG, Kochen, Putzen, Arbeiten, Geld managen und Mama kann nicht eingreifen wenn doch mal was ist.

Das alles war manchmal schon hart. Ich würde sagen, ich habe die extremsten Erfahrungen in meinem noch so jungen Leben fast alle in diesem Jahr gemacht. Sowohl die Schönsten, als auch die nicht so Schönen. In meinem Herzen bleiben all die wunderschönen Momente mit Menschen, die ich über alles liebe.

Mein Jahr in Kamerun war sehr intensiv und ich würde es gerne in einem Glas festhalten und immer wieder in diese wunderbare Welt eintauchen, wenn ich es brauche. Vielleicht so einen Schrank wie in Narnia, das wär cool.

Der Abschied aus Kamerun war sehr schlimm. Ich hab noch nie so geweint in meinem Leben. Irgendwie hat sich alles so angefühlt als geht es jetzt einfach nicht mehr weiter, als wäre es das gewesen. Ich dachte auch ich wäre eine andere, die so gar nicht mehr nach Deutschland passt und auch nicht will. In den letzten Monaten hatte ich nicht mehr das Gefühl etwas zeitlich begrenztes zu tun. Stellt euch mal vor man würde euch einfach so von eurer Familie euren Freunden von allem was ihr liebt und was ihr lebt trennen. Genauso hat es sich angefühlt. Und andererseits geht man aus der Flughafentür und auf einmal steht Famillie da, dort stehen Freunde. Und eben war man noch in Kamerun. Der Abflug das waren glaube ich die komischsten Stunden meines Lebens.

Ich hätte nicht gedacht, dass man so schnell wieder den deutschen Alltag einnimmt. Manchmal kommt es mir vor als wäre Kamerun nur ein Traum und ich wäre gar nicht dort gewesen. Egal wo man hingeht, man muss sich anpassen und das rückt alles andere in den Hintergrund. Manchmal kommt mir diese Welt hier völlig unwirklich vor. Man steht am Frankfurter Hauptbahnhof und Tausende von Menschen wuseln an dir vorbei, jeder in seine Richtung. Keiner hält inne und realisiert, wo er sich gerade befindet, alle Laufen nur dem Strom nach und machen was man halt eben machen muss ohne es auch nur eine Sekunde in Frage zu stellen.

Das Leben hier in Deutschland ist für mich zwar im Moment noch schwer, aber hat auch viele
Vorteile. Nicht zuletzt die unbegrenzten Chancen in Deutschland. Das Prinzip des „American Dreams“. Die Welt steht mir offen. Ich hab einen Deutschen Pass, damit kann ich im Prinzip in jedes Land der Welt, ein Staatssystem, das mich fördert. Im schulischen Bereich, im rechtlichen, in allem. Gesetze für Arbeitnehmer, Krankenkassen, Mindestlohn, Zuschüsse, BaföG....oft ist uns die Bedeutung dieser Dinge nicht klar, aber sie schützen uns unfassbar. Und sie lassen uns nicht so einfach den Glauben an uns selbst aufgeben. Das alles gibt es leider nicht in Kamerun und das macht wohl den für mich größten Unterschied zwischen diesen zwei Welten aus. Das verändert alles, die Mentalität, die Systeme, die Infrastrukturen, eben so alles was ein Land so „ausmacht“. Diese Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit, dich ich auch selbst erleben musste hat mich oft sehr wütend gemacht, aber sie lässt mich die Welt auch mit anderen Augen sehen, aus anderen Perspektiven.

Ich habe unfassbar viel gelernt und das werde ich alles mitnehmen und ich werde es nie wieder vergessen. Ich habe viel über mich gelernt, wie ich sein will und wie nicht, was ich machen will und was nicht. Meine Freunde in Kamerun sind meine Familie und ich werde sie immer in meinem Herzen tragen und sie bald wieder sehen. Ich hoffe ich kann noch ewig von ihnen lernen und sie von mir, das ist der Sinn eines FSJs. Der Austausch von 2 verschiedenen Kulturen und das im besten Fall beide Parteien schlauer hinausgehen als sie reingekommen sind.

In 15 Tagen geht es los und ich sehe sie endlich wieder. Ich freue mich unglaublich darauf.

Was mache ich im Moment? Ich arbeite im Moment um danach reisen zu gehen. Im Oktober 2016 starte ich dann vorraussichtlich mit der
Uni. Ich werde mich sowohl auf Psychologie bewerben (aber außer im Losverfahren habe ich keine Chance) als auch auf das Fach „Internationale Soziale Arbeit“. Ich werde probieren euch hier von meinen (geplanten) weiteren Reisen zu berichten. Gebt mir gerne mal Rückmeldung zu den Beiträgen :)

Falls Ihr interessiert daran seid mal meine Bilder bei einem gemütlichen Abend anzuschauen sagt mir doch gerne Bescheid, dann könnte ich mal was organisieren und wir essen, trinken und quatschen gemeinsam. Vielleicht ja ein kamerunischer Kochabend.



Ich möchte an dieser Stelle ein großes Dankeschön aussprechen an alle Menschen, die mich in meinem Jahr unterstützt haben, aufgemuntert haben und mit mir gefeiert, gelacht und geweint haben und ich danke allen die meinen Blog gelesen haben, es hat mich sehr gefreut zu sehen, wieviele Leute hier wirklich reingeguckt haben und auch wenn ich nicht immer regelmäßig geschrieben habe, hat es mir immer sehr viel Spaß gemacht.















Bis dann,

Eure Louisa



Donnerstag, 25. Juni 2015

Ring Road – 3 Tage Abenteuer

In den Osterferien habe ich zusammen mit Robert, Theresa, Kathrin und Jannis (alles Freiwillige des IBs in Kamerun Urlaub gemacht. Wir entschieden uns die Ring Road zusammen zu befahren. Die Ring Road ist eine kreisförmige Straße um Bamenda herum. Man fängt also in Bamenda an und kommt auch genau da wieder raus. Es sind ca. 350 km zu befahren.

Auf der Straße selbst gibt es dann einige Stationen, an denen man anhalten kann und sich das Dorf/die Stadt und seine Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Die Planung mussten wir selbst vornehmen. Glücklicherweise wohnen Kathrin und Jannis in Kumbo (liegt auf der Ring Road) und konnten sich für uns umhören und unsere Stationen planen. Einziges Problem bei der Ring Road ist nur der Transport. Wie kommt man nach Aund B ohne eine Agentur? Die Agenturen fahren zwar ihre Strecken ab, aber halten ganz bestimmt nicht irgendwo, nur damit wir uns irgendetwas anschauen können. Die anderen Passagiere wollen ja auch mal ankommen. Also mussten wir uns auf privaten Transport verlassen, sprich: einen Fahrer mieten. Ich hatte ziemlich Angst, dass das sehr teuer werden würde, ich wollte so wenig Geld wie möglich ausgeben, koste es was es wolle. Mein Geld ist in Shopping-Touren und überteuerte Restaurants geflossen, also musste ich etwas sparen.

Sonntag, 12. April 2015:

  • Ich bin gerade zu Besuch in Bafoussam bei Theresa und Robert
  • 12Uhr: Wir machen uns auf den Weg zur Agence um nach Kumbo zu fahren
  • 13 Uhr: Der Bus fährt los
  • 15.30: Ankunft in Bamenda und eine kleine Stärkung im Restaurant neben der Agency
    (wir sind übrigens gerade vom frankophonen Teil in den anglophonen gefahren)
  • 16 Uhr: Ankunft bei der Agency, die uns nach Kumbo bringen soll, wir warten auf Passagiere
  • 18 Uhr: Es geht endlich los, wir merken, dass wir hätten früher losfahren sollen, es wird ganz schön spät und langsam schon dunkel, ich skype mit meiner Freundin Tina, die gerade in England ist
  • 21 Uhr: Endlich in Kumbo, Jannis holt uns ab und wir gehen zu ihnen um zu Abend zu essen
  • 23 Uhr: Alle fallen kaputt ins Bett, morgen geht es los.


Montag, 13. April 2015, Tag 1:

  • 7 Uhr: Alle sind wach und lechzen nach Kaffee
  • Wir machen uns fertig, draußen hat der Vermieter von Kathrin und Jannis einen Privaten Fahrer organisiert, der uns zu einem guten Preis mit einem recht guten Auto fährt
  • 8 Uhr: Wir fahren los
  • Unser Plan heute: Die Teeplantage und einen Palast auf dem Weg nach Wum besuchen und dann in Wum ein Hotel suchen, in dem wir übernachten können
  • Wir kommen ziemlich schnell durch, sehen eindrucksvolle Naturbilder, quatschen im Auto, hören Musik und genießen die Reise
  • Zwischendurch frühstücken wir irgendwo auf dem Weg
  • Wir fahren immer geradeaus, bleiben immer auf der gleichen Straße, der Ring Road eben
  • Gegen 11 Uhr kommen wir bei der Teeplantage an
  • Hier mal ein Bild damit Ihr sehen könnt, was wir gemacht haben





    Bild 1: Das Feld, es gibt unendlich viele davon, man kann sich gar nicht vorstellen, wieviele Kilo Tee hier am Tag produziert werden. Wir fahren an der Security vorbei. Leider haben Montags die Geräte Pause, trotzdem kriegen wir eine Führung vom Manager (übrigens vollkommen kostenlos).
    Bild 2: Der Tee in meiner Hand. Der Tee wurde erst geerntet, getrocknet, gepresst, geschnitten und dann im Ofen erhitzt. So sieht er danach aus
    Bild 3: In der Tasting Office. Der Manager (aus Indien) zeigt uns den Unterschied zwischen indischem und kamerunischen Tee und erklärt warum die Kameruner den indischen Tee nicht so gerne mögen. Wir alle krigegen ein ziemlich großes Packet Tee geschenkt. Der Tee wird hier nur produziert, in Teebeutel gefüllt und exportiert wird er dann in Douala, dem Produktionszentrum Kameruns.
    Bild 4: Der Tee kommt gerade frisch von den Plantagen und wird nun zum trocknen gebracht.



  • 13 Uhr: Wir fahren zum Palast, direkt neben der Teeplantage in Mbot
  • Hier wohnt ein Fon, das Dorfoberhaupt, sozusagen der König, er hat eher eine repräsentative Rolle, doch trotzdem hat er auch Macht. Hier der Palast von Mbot.
  • Wir fahren weiter und kommen gegen 16 in Wum an
  • Die Hoteljagd geht los, erstes Hotel wäre perfekt gewesen, aber zu teuer, also weiter geht es
  • Nach ca 1.5 suchen und Verhandeln finden wir ein Hotel, dass zwar nicht schön oder bequem oder groß ist, aber dafür billig, also wollen wir bleiben, ist ja nur für eine Nacht.
  • Wir gehen essen und setzen uns in eine Bar und spielen bei ein, zwei Bier gemütlich Karten, nachher essen wir noch superleckere Fleischspießchen
  • In der Nacht handeln wir durch Zufall noch mit ein paar Fahrern herum, finden dann schließlich einen zu einem tollen Preis. (Die ungefähren Preise wurden uns vorher vom Vermieter von Kathrin und Jannis gegeben


Dienstag, 14. April 2015, Tag 2:

  • Heute haben wir das anstrengendste Stück unserer Reise vor uns: Wir müssen von Wum nach Nkambe über Nyos (sehr weit und mitten durch die Pampa, zwischendurch gibt es praktisch gar nichts.)
  • Alle haben Bauchkrämpfe und Durchfall, irgendwas hat mit den Fleischspießen nicht gestimmt.
  • Der Fahrer von gestern steht schon bereit, wir verhandeln noch einmal, der Preis ist auf einmal doch nicht super, aber gerade noch akzeptabel. Das Auto ist eine vollkommene Katastrophe, allerdings gibt es in Wum sonst gar nix und wir haben kaum eine andere Wahl, schon gar nicht für weniger Geld
  • 8 Uhr: Die Fahrt geht los
  • Ich kriege abwechselnd Lach- und Panikanfällt, denn die Straße ist hier nicht mehr geteert, nicht abgesichert und das Auto wirklich katastrophal. Die anderen versuchen mich zu beruhigen und ich probiere alles mit Humor zu nehmen.
  • Unser Fahrer ist definitiv ne verrückte Nummer, das kann man tatsächlich einen abenteuerlichen Trip nennen.
  • Wir vespern im Auto Avocado Brot
  • Gegen 12 sind wir in Nyos
In Nyos gibt es einen See, aus dem Co2 austritt und der vor einigen Jahren den See gesprengt hat und 2.000 Menschen und alle Lebewesen ausgelöscht hat. Nur Babys konnten überleben. Mittlerweile wird der Co2 Austritt mit Fontänen geregelt, der See wird rund um die Uhr kontrolliert und überwacht. Über dem See liegt ein sehr ungewohnter Nebel, überall liegen Steine auf dem Weg, wahrscheinlich noch vom Ausbruch. Wir sehen uns den See an und fahren danach noch ins Dorf Nyos, in dem sich mittlerweile wieder Menschen angesiedelt haben (ungefähr 30-40), da kann nicht mal Dombach mithalten mit seiner mickrigen Einwohnerzahl.

Kamerun ist ca. 1,5 mal so groß wie Deutschland, hat aber nur ca. 30 Millionen (oder sogar 21 Millionen, ich weiß nicht mehr genau) Einwohner. In Yaounde und Douala, die zwei größten Städten leben schon ca. 8/9 Millionen, also ist es logisch, dass es ziemlich viele wenig besiedelte Gebiete gibt. Ich habe bisher keins gesehen, aber das Stück zwischen Wum und Nyos spricht für sich: Immer wieder vereinzelte Häuser, keine Stadt, keinen Shop, keine Tankstelle, so gut wie nichts. Dafür aber wunderschöne Landschaften und unzählige Plantagen und Felder mit Lebensmittlen und so weiter.


Ein Bild an dieser Stelle:




Bild 1: Bild aus dem Auto heraus, Blick auf die Ring Road
Bild 2: Eingang zum Mbot Palace
Bild 3: Die Staße irgendwo zwischen Wum und Nkambe und zwei Männer, die ins nächste Dorf laufen
Bild 4: Die Straße nach Nyos, man sieht die Steine vom Ausbruch ganz deutlich


  • 16.30 Ankunft in einem Dorf vor Nkambe, wir machen Pause und nehmen Motos weiter nach Nkambe, weil unser Auto nicht durch die Polizeikontrolle kommen würde
  • 17.15 Auf geht’s nach Nkambe, wir sitzen auf den Motos und los geht’s
  • 18 Uhr Ankunft in Nkambe und im Hotel, kurze Verhandlungen und dann zu einem akzeptablen Preis eingezogen.
  • Alle duschen, das Wasser ist braun, weil wir den ganzen Tag durch die staubingen Straßen gefahren ist, in der Trockenzeit wirbelt man immer sehr viel staub aus, aber die Ring Road ist nur in der Trockenzeit befahrbar, sonst ist die Straße einfach zu rutschig
  • 19 Uhr: Wir machen die Geldabrechnung und kommen unfassbar günnstig weg: Mit Luxusessen morgen in Bamenda ca. 45 Euro, ziemlich wenig im Vergleich zu sonstigen Abrechnungen im Urlaub in Kamerun
  • 19.30 Uhr: Wr gehen essen und trinken noch was in der Bar
  • 22 Uhr: Alle schlafen tief und fest.


Mittwoch, 15. April, Tag 3:
  • 8 Uhr: Wir stehen bereit vor dem Hotel. Heute ist der letzte Tag unserer Reise
  • Robert hat sich noch nicht von dem Fleischspießen erholt und fährt direkt nach Bafoussam
  • Die anderen wollen heute noch den Kratersee in Wum und den berühmten Palast in Bafut sehen.
  • Wir organisieren uns Motos, es gab ein kleines Missverständnis, wir dachten sie fahren uns nach Bamenda, wo unsere Tour heute ändert und hält mit uns dort wo wir hin wollen, sie dachten wie zeigen uns den Kratersee
  • Also schauen wir uns den Kratersee gegen 9 Uhr an (Bild kommt später)
  • Dann sind wir zur Agency gefahren und haben gefrühstückt und einen Fahrer mit Preis verhandelt (der teuerste Tag bisher aber es erschien uns alles ok)
  • Auf dem Weg haben wir uns dafür entschieden uns noch einen Wasserfall anzusehen (gute Entscheidung, er war wunderbar)
  • Gegen 13 Uhr waren wir in Bafut, unser Fahrer wollte uns hier rauslassen und wegfahren (anders als vereinbart), aber trotzdem den vollen Preis haben. Also haben wir erstmal lang und ausgiebig diskutiert (alles auf dem Gelände des Bafut Fon, in Begleitung seines Sohnes)
  • Der Sohn vom Fon hat uns angeboten uns den Palast und das zugehörige Museum zu zeigen, wir waren noch etwas mit dem Fahrer beschäftigt.
  • Erst war er so genervt, dass er komplett ohne Bezahlung weggefahren ist, dann hat er gemerkt, dass das ziemlich dämlich ist und doch auf uns gewartet, alles wie vereinbart
  • Während er warten musste, haben wir uns das sehr interessante Museum angesehen, es war toll weil wir auch unheimlich viel fragen dürften.
  • Ich habe sehr viel über die Strukturen an einem Hof des Fons herausgefunden.
  • Gegen 16 Uhr sind wir dann auf nach Bamenda

An dieser Stelle zwei Foto



Bild 1 & 3: Im Hof des Palastes von Bafut, hier lebt die Familie des Fons
Bild 2: Kratersee in Wum
Bild 3: See in Nyos




Bild 1: Das Museum in Bafut (übrigens auch viel mit deutscher Familie, Singraf und so weiter)
Bild 2: Die Empfangshalle des Fons für offiziellen Besuch
Bild 3: Ein Sohn des Fons mit Souvenirs, die im Palast hergestellt werden
Bild 4: Eine schöne Vase vor der Empfangshalle des Fons


In Bamenda angekommen sind wir ins Prescraft Cafe gegangen (Weißentreffpunkt in Bamenda, denn es gibt Kaffee, Cappucciono, Pizza und und und zu teuren Preisen). Ein letztes Festmahl mit Burgern und Tunfischsandwisch mit Mango-Smoothie und Schockoladenkuchen. Hmmmmmm...es war ein Schmaus.

Passend dazu ein Bild mit unserem Essen!







Es war eine abenteuerliche Reise und es hat ultraviel Spaß gemacht! Zum Schluss noch ein paar Bilder von mir.

Vor dem Wasserfall, der Teeplantage und während dem Motofahren nach Nkambe!



Bis bald,

Eure Louisa!

Montag, 11. Mai 2015

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte

Ich habe in letzter Zeit ganz fleißig für Euch geknipst und möchte euch noch ein bisschen mehr von Bali zeigen.

Viel Spaß! :)




Diese Bilder wurden auf einer Funeral aufgenommen. Es war ein sehr kalorienreicher Tag kann ich euch sagen. Der Onkel unserer Vermieterin ist verstorben, also wurden wir in den Family Compound eingeladen. Die eigentliche Beerdigung fand am Tag vorher statt, im Familienkreis. Am nächsten Tag wurde die Dead Celebration gefeiert. Die kann man im Prinzip feiern wann man möchte, auch Jahre später. Dort geht es dann nicht mehr um den Tod, sondern das Gedenken der lebenden Person.

Bei einigen Celebrations gibt es bestimmte Attraktionen: Chöre, Tänze (von bestimmten Tanzgruppen oder dort wo jeder mitmachen darf)...manchmal gibt es auch Jujus. Ich weiß nicht sehr viel über sie, aber sie arbeiten unter anderem für den Fon, dem Dorfoberhaupt, so etwas wie ein König. Ich würde sagen, es ist wie in England, eine konstitutionelle Monarchie. Es gibt den König und viele schauen zu ihm auf, es gibt auch bestimmte Regeln, aber er hat eigentlich keine politische Macht und muss sich den Gesetzen Paul Byas (Präsident von Kamerun) genauso unterwerfen wie alle anderen.

Ihr seht schön fettiges Essen. Das sind Plantains, Kochbananen. Man kan sie kochen, fritieren oder grillen oder einfach rumexperimentieren. Ich habe zum Beispiel letztens eine Plantains-Karotten-Suppe gekocht.

Auf dem anderen Bild seht ihr Ma Adeline, die Schwester unserer House Lady. Sie ist die eigentliche Vermieterin, aber ihre Schwester Ma Esther wohnt in ihrem Haus und sorgt dafür. Auf dem nächsten Bild seht ihr Max, meinen Mitbewohner, der die Plantains genießt. Dieses rote Öl, das Ihr seht ist Palm Oil. Es wird aus bestimmten Palmen gewonnen. Es schmeckt sehr lecker, aber man muss wissen wie man damit umgeht. Es ist vollkommen natürlich und stinkt so wie es abgefüllt wird ganz fürchterlich. Man muss es erst bleichen, also aufkochen und dann schmeckt es super. Auf dem nächsten Bild sitzt die liebenswerte Ma Grace. Sie ist die Tante, einer Freundin von uns und unsere Nachbarin.




3 Stunden später: Es war ein echter Power Tag, ganz nach meinem Geschmack. Zwei Funerals an einem Tag. Hier wurden wir von Uncle Peter, unserem Direktor und auch Freund eingeladen. Auf dem ersten Bild seht ihr die zwei Süßen. Das Händchenhalten zwischen zwei befreundeten Männer ist hier nichts außergewöhnliches, das bedeutet nicht unbedingt, dass es eine romantische Beziehung ist. Allerdings ist es recht klar, dass Mann und Frau nicht aus Freundschaft Händchen halten. In Kamerun ist Homosexualität leider noch verboten, ich frage mich manchmal wie viele der Händchenhaltenden Männer eigentlich zusammen sind. Man muss es leider noch verstecken, aber es ist in den großen Städten schon längst nicht mehr so ein großes Tabu. Wenn sich die gesetzliche Lage ändern würde, wäre die Situation in Städten sicher in 3,4 Jahren eine komplett andere. Aber wir brauchen uns ja nichts vormachen. Wenn ich an mein Dorf in Deutschland (Niederbrechen) denke, ist das dort auch ein Riesenskandal.

Unser Direktor hat uns abgeholt und uns zum Haus gebracht. Als wir ankamen saßen einige unsere Lehrer schon da und wir haben zusammen gegessen und getrunken. Außerdem haben wir ausgemacht, dass wir alle am Abend eine Occasion starten. Das heißt bei uns nur eins: Party machen. Auf dem 2. Bild sind nun einige dieser Lehrer: Ein Ehemaliger Lehrer, dessen Namen ich mir einfach nicht merken kann, Madam Class 1, deren Namen ich mir auch nich merken kann und Ma Anna (von links). Euch ist wahrscheinlich aufgefallen, dass ich immer zu von Mas, Uncles, Nis und so weiter rede. In Bali spricht man meistens nicht direkt mit dem Vornamen an, vor allem nicht die Menschen, die älter sind als man selbst. Unsere Schüler nennen uns Ni Max und Ma Louisa. Es ist einfach eine vorm von Respekt, so wie das „Sie“ und das „Du“ in Deutschland. Nur hört das meistens irgendwann auf, wenn man sich vertraut ist.

Uncle Peter ist der Mann, den man auf dem dritten Bild strahlen sieht. Er ist wirklich ein Herzchen und gehört für mich zu meiner Familie. Er ist der Direktor der Alpha School, der Schule des Fon. Ich hatte am Youth Day die Möglichkeit ihn kennenzulernen. Es war sehr interessant, er spricht ziemlich gut Deutsch, weil seine Frau aus Deutschland kommt. Und sein Palast ist sau schön!

Auf dem letzten sieht man mich, die Mutter von Uncle P./HM (Head Master), wie ich ihn nenne, Ni Max und Ma Susanne, eine Freiwillige aus Baham (ca. 3 Stunden von Bali). Sie kommt auch aus Deutschland und macht einen Freiwilligendienst im Centre in Baham. Sie arbeitet dort mit Menschen mit Handicap. Ich trage ein selbstgeschneidertes Kleid, das an der Beerdigung meiner Oma in Nigeria Freunde und Familie getragen haben.






Ostern. Ich dachte mir zu Ostern, es wäre sehr schön ein bisschen was von der deutschen Tradition zu erzählen. Ich habe mit meinen Kindern Ostereier gebastelt, ihm vom osterhasen erzählt und letztendlich 120 Eier und 340 (!) Kekspackungen gekauft und die Eiern kurz vor den Ferien gefärbt. Danach habe ich alles versteckt. Ich konnte nur für zwei Schulen Eier färben, sonst wäre mein monatliches Geld komplett draufgegangen. Die ersten zwei Bilder sind von der Alpha School, die anderen von der Holy Infant. Jedes Kind hat ein Ei und eine Packung Kekse gekriegt. Die Government School hat nur Kekse bekommen. Es war sehr schön die Kinder so glücklich zu sehen. Leider war ich an Ostern ziemlich krank und mein persönliches Ostern bestand aus Schlafen, Filme gucken und zum Klo rennen um jegliche Nährstoffe aus meinem Körper zu entleeren. Trotzdem war es ganz schön, ich hab etwas mit meiner Familie geskypet.


Hier einige der Verstecke und meine Kinder mit ihren Geschenken.



Alanichu! Das heißt in Bali soviel wie guten Appetit. Ein paar Köstlichkeiten um Euch alle neidisch zu machen:





  1. Cappuciono im Prescraft. Mit ganz frischem Kaffee, der hier in Kamerun produziert wird und echter Mich! Eine tolle Abwechslung zum Milchpulver.
  2. Rice, Stew and Gamma Gamma – Rice, Tomatensoße und spinatähnlichem Gemüse, ach ja und Öl natürlich!
  3. Unser wunderbarer Frühstückstisch als Theresa, Robert und Landry zu Besuch waren (alle aus Bafoussam): Eier, Avocadocreme, Ananas, Erdnuscreme, selbstgemachte Marmeladen, Schokocreme, Die Kuh die lacht (Schmierkäse, selbstgemachte Kräuterbutter und selbstgebackenes Volkornbrot.
  4. Palmwine/White Stuff/Ndufufu (Bali language) Wein, der aus Palmen gewonnen wird, komplett natürlich, morgens noch sehr süß mit fast keinem Alkoholgehalt, abends sehr sauer und voller Alkohol (der Gärungsprozess ist sehr schnell. Wir trinken jeden Freitag mit Uncle Peter ein bisschen Palmwine.




  1. Salat mit Käse, den ich mir für einen absolut unverschämten Preis gegönnt habe.
  2. Nudeln mit Bolognese.
  3. Avocado, Kiri (richtiger Frischkäse!!), Omlett (wahlweise mit Spaghetti oder Sardinen)
  4. Ein wunderbarer Tisch zum Schlemmern. Es gab Kartoffelbrei mit Gemüsegemisch.




Luis, ein ehemaliger Freiwilliger, der vor ein paar Jahren in Dschang an der Rainbow School seinen Dienst angetreten ist. Er ist wieder zurückgekommen um ein Praktikum innerhalb des Studiums zu machen. Ein paar Tage war er auch bei uns und hat uns besucht.

Unsere süße Kleine von Ma Confort. Der größte Schatz. Besonders lustig, der Hund im Hintergrund, der offensichtlich probiert sie aufzufressen.

Mein Zimmer: 1.000 Bilder und lauter unnütz Zeug.

Und zuletzt: Ein Bild aufgenommen in Yaounde, der Hauptstadt von Kamerun. Ich war dort um mein Visum zu verlängern. Mein Afro ist ganz schön lang mittlerweile. Den Rock habe ich mir hier schneidern lassen.





Time 2 Be. Unser Nachmittagsprogramm auf der Government School. Bild 1,2 und 4 wurden dort aufgenommen: Beim Malen, Spielen und beim Haare flechten von Ma Louisa. Bild 3 zeigt Ni Valentin beim Unterrichten. Er der beste Lehrer, den ich hier jemals gesehen habe. Es macht richtig Spaß ihm zuzusehen. Er ist Direktor der Holy Infants School und Class 6 Teacher dort.



  1. Meine zwei Lehrerinnen in der Holy Infant. Sie unterrichten die 3. und 4. Klasse.
  2. Eine der Occasions der Alpha School Lehrer. Ma Canicale in ihrem Element. Sie tanzt unfassbar gut
  3. Ma Anna beim bezirzen vom HM, ebenfalls eine exzellente Tänzerin
  4. Holy Infant Lehrerin, die ich spontan eingeladen habe (Namen, weiß ich leider nicht), ich, Uncle Peter (von links)



Eine Babyparty. Eine unserer Kollegen hat einen kleinen Mac geboren und alle Alpha School Teacher waren da. Es gab ein kleines Entertainmentprogramm bestehend aus Tänzen, Liedern und und und. Den süßen Mac und mich seht Ihr auf dem ersten Bild, Max und Mac auf dem zweiten (ich glaube sie wollten ihn nach Max benennen, aber alle nennen Max immer Mac, deshalb heißt er jetzt wahrscheinlich Mac), Uncle Peter auf Bild 3. Auf dem letzten Bild Ma Ajeanet/Ma Pastor (sie ist mit einem Pastor verheiratet) mit dem schönsten Kleid auf Erden.


Ein kleiner Vorgeschmack auf den nächsten Blogeintrag: Bilder die auf der Ring Road aufgenommen worden sind.



  1. Eine Verkäuferin, die Garden Eggs und Passion Fruits (kleine Maracuja oder Passionsfrucht) verkäuft.
  2. Eine Verkäuferin in Wum mit einer Typischen Bartheke im Hintergrund (typisch für Dörfer, nicht für Städte). Was sie in der Hand hält nennt sich Smirnoff Ice, Wodka-Bitterlemon
  3. Ein Sohn des Fons in Bafoot, der uns den Palast und ein Museum, das sehr interessant war gezeigt hat.
  4. Ma Jaquelin und ihr Ehemann. Dieses Bild wurde nicht auf der Ring Road aufgenommen, sondern in Bali auf der Babyparty. Sie sind diejenigen, die Mac auf die Welt gebracht haben.


Wunderschöne Ecken in Kamerun:


  1. Der Strand von Kribi beim Sonnenuntergang
  2. Der Wasserfall in Bali
  3. Der gleiche Wasserfall, links von dort wo das Wasser kommt springen wir immer in den Wasserfall. Jedes Mal ein erneuter Adrenalinschub für mich. Der Wasserfall wurde künstlich von Deutschen hergestellt. Mit Sprengstoff haben sie das Gestein weggesprengt um Wasser für Bali zu gewinnen. Früher war dies die Quelle des Leitungswasser in Bali. Man nennt es deswegen auch den Water Supply
  4. Der Fluss in den der Wasserfall mündet.


Das waren jetzt sehr viele Bilder und auch Wörter. Ich hoffe es gefällt Euch! Schaut bald wieder rein, denn bald gibt es einen Eintrag über die Ring Road und das war ziemlich interessant.

Bis bald,
Louisa

Montag, 23. März 2015

Was ist denn eigentlich für mich anders

!!!Heute gibt es drei Berichte auf einmal zu lesen!!!!


Eigentlich wollte ich von sowas nicht wirklich berichten, weil man das einfach so nicht sagen ksnn. In jeder Stadt, in jeder Region ist alles wieder total unterschiedlich und ich kann die Unterschiede nicht mal benennen. Aber was ich natürlich sagen kann: Was fühlt sich für mich noch anders oder fremd an? Bzw. was nicht mehr?



Nun ja, was ist denn jetzt anders? Zunächst natürlich die Sprache. Mittlerweile ist mein Französisch viel besser, also habe ich bisher noch keine großen Kommunikationsschwierigkeiten gehabt. Trotzdem ist der Akzent und die Satzstellung anders als ich es bisher gewöhnt war. Ich selbst hab das schon total verinnerlicht und spreche mittlerweile ziemlich ähnlich. Bestimmte Floskeln sind einfach anders. Zur Erklärung: In Bali können die meisten Menschen Mungaka (Der Dorfdialekt). Das kann man ungefähr mit unserem wunderbaren Brecher (oder auch Brächä) Dialekt vergleichen. Nur ist es eine Sprache für sich. So wie Schweizerdeutsch. Dann können sehr viele (vor allem die jüngeren, die in der Schule sind und waren) Englisch. Und nicht zu vergessen Pitschin. Keine Ahnung wie man das schreibt, aber es ist eine bestimmte Mischung aus Englisch und....ja aus was noch: keine Ahnung. Es ist in jedem Land anders. Beispiel: In Kamerun ist „You are going for which side?“ üblich, in Nigeria vielleicht aber „Now, which side you looking for?“. Ich habe keine Ahnung vom Pitschin in Nigeria, aber so in etwa wurde es mir mal erklärt. Einige können auch noch Französisch. Die anglophone Region in Kamerun ist relativ klein und wenn man zu irgendeinem höheren Amt oder ähnlichem muss ist es meistens in Douala (größte Stadt Kameruns und Handelshauptstand) oder Yaoundé (die Hauptstadt und Regierungssitz). Beides ist frankophon und es ist sehr nützlich etwas Französisch zu sprechen. Ebenso wenn man Karriere machen will. Die Mega-Jobs sind meistens in Douala .

Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass dann manchmal auch ein bisschen von der einen Sprache mit der anderen zusammenfließt. Vor allem wenn es um Pitschin und Englisch geht. Daher haben viele Freiwillige anfangs noch etwas Probleme alles zu verstehen und dann kommt natürlich noch eine Schnelligkeit dazu, wie wir es von der Schule aus nicht gewohnt sind.
Ich hatte da nie sehr große Probleme und mittlerweile verstehe ich auch schon ein bisschen Pitschin und kann ein paar Wörter Mungaka sprechen. Darüber freuen sich immer alle sehr. Max und ich haben letztens diskutiert. Er findet es seltsam, dass die Menschen sich darüber freuen und dass er sich darüber freuen soll, wenn ihn jemand mit „Guten Tag“ begrüßt, weil beides nur auswendiggelernte Floskeln sind und man doch einfach auf Englisch kommunizieren solle. Ich sehe das anders, wir leben ja schließlich hier in Bali und die Sprache ist Mungaka. Wir können zwar Englisch sprechen, aber wenn wir Mungaka lernen heißt das, dass wir zusätzliches Interesse zeigen. Wenn wir Englisch sprechen, können wir in fast jedem Land kommunizieren, aber Mungaka lernen wir nur für die Menschen in Bali.


Taxifahrten sind definitiv anders hier. Sie sind bezahlbar. Das liegt meist daran, dass das Auto losfährt wenn es voll ist. Richtig voll. Meist vier Personen hinten und zwei auf dem Beifahrersitz. Das senkt den Preis natürlich. Sollten wir in Deutschland auch mal ausprobieren. Bei Bussen das gleiche. Meistens 4 Personen in einem VW-Bus pro Bank (normalerweise sollten es drei sein). Meistens tut es nicht mehr weh, außer man hat Pech und sitzt mit etwas korpulenteren Personen auf einer Bank. Apropos korpulent, das Wort fett fällt öfter. Das soll keine Anschuldigung sein, sondern ist einfach nur eine Art der Beschreibung. So wie blonde Haare. Und niemand ist böse, außer ich. Ich bin wohl noch Deutschland-geschädigt. „Fat and healthy“ ist zum Beispiel einfach nur eine Art zu sagen, dass du eine gesunde Figur hast und nicht abgemagert bist. Entgegen der Vorurteile würde ich aber nicht unterschreiben, dass es ein Schönheitsideal ist, in der Jugend ist das genauso ein Thema wie in Deutschland auch.

Es gibt in Städten einige Supermärkte, aber während in Deutschland die meisten Menschen im Supermarkt einkaufen, weil lokale Bauern den Preisen der Supermarktmassenproduktion leider nicht standhalten können, kaufe ich größtenteils auf dem Markt ein. In Bali haben viele Menschen eine Farm. Am Wochenende oder auch unter der Woche gehen viele dorthin oder haben Arbeiter dort und so hat man dann selbst essen. Einige verkaufen dies dann auf dem Markt oder essen es selbst. Auch wenn man nicht eine Job hat und das Mega-Gehalt haben viele Menschen die Möglichkeit Essen von anderswo herzukriegen. Aber für Schulgeld, Miete, Öl und all die Sachen die man nicht selbst herstellen kann muss man natürlich trotzdem Geld haben. Ma Esther ist ein gutes Beispiel dafür. Sie arbeitet zwar ständig an irgendwas, aber hat keinen Job in dem Sinne, dass sie irgendwo eingestellt ist. Sie geht ca. 2 mal die Woche zur Farm und erntet Essen, kocht damit und verkauft einiges für Geld um Öl, Handyrechnung, Stromrechnung, TV und all das zu zahlen. Das Haus ist ihrer Schwester, die in Buea wohnt. Dadurch macht hier jeder seine eigene Preise. Handeln steht an der Tagesordnung. Deshalb werden auch Essenspreise kaum teurer, während Tabaksteuer, Alkoholsteuer oder irgendwas anderes beim Großhändler schon mal teurer werden kann, denn so kriegt die Regierung ihr Geld und so kontrolliert sie Preise. Ich denke mal, das hält den Wert des Geldes weit unten, während Bier mittlerweile leider sehr teuer geworden ist, vor allem beim Ausgehen. Von 1,50 pro Bier auf 3,00 ist schon krass. Und 3,00 sind 2% meines Geldes hier.


Ich war selten in einer Bar in Deutschland, in der getanzt worden ist. Das ist typisch deutsch. Wenn man tanzen will geht man in den Club, aber in einer Bar wird getrunken! Ist ja voll peinlich da zu tanzen. Und es gibt gar keine Tanzfläche, wie soll das denn gehen?
Als ich das erste mal in Douala ausgegangen bin, sind wir in einen Snack gegangen. Das ist wie eine Bar, aber man kann halt eben schon tanzen wenn man das will. Man steht einfach auf und kann selbst noch dort wo man sitzt tanzen. Find ich voll cool und hoffe das beizubehalten, aber in Limburg wird mich dann jeder für verrückt erklären und meine Freundinnen wären das letzte Mal mit mir ausgegangen. Schade.

Das Essen ist definitiv anders. Man kann in Supermärkten, vor allem in großen Städten echt alles kaufen. Alles. Riesen Fleischtheke, Käsetheke, Philadelphia, Fetakäse, Pringels, Duplo, Nutella...aber hier produziert werden diese Dinge üblicherweise nicht, deshalb zahlt man auch für 2 (!) Scheiben Kochschinken hinter der Theke 1,50 EUR, also 1% meines Geldes hier um mal ganz pingelig zu sein. Es gibt Orte an denen Käse produziert wird und ich habe auch schon erschwingliche Wurst in Städten in Boulangeries (Bäckerein) gesehen. Aber gewöhnlich ist es nicht. Mittlerweile ist Joghurt und Kuhmilch im Kommen, aber lange nicht so wie in Deutschland. Ich kenne nicht viele Menschen aus Bali, die einen Kühlschrank haben, das heißt alles wird so gelagert und Milch und Joghurt zu kaufen ist relativ sinnlos. Ich würde sagen, dass Essen ist nicht unfassbar scharf oder so, jeder kann seine eigene Dosis Pepe nehmen (Chilli-ähnlich). Meist wird Pepe als Paste im Restaurant auf den Tisch gestellt. In Nigeria fand ich die Schärfe um einiges härter. Ich habe allerdings auch ständig Pepesoup (Fishpepesoup) gegessen. Der Name sagt ja schon alles. Ich war froh um meine Bepanthen für meinen Mund und ein eiskaltes Bier um das Feuer in meinem Mund zu löschen. Öl ist eine Zutat, die unverzichtbar ist. In rauen Mengen. Es gibt ganze Soßen, die nur aus Tomaten und Öl bestehen und einige verschiedene Arten von Öl für bestimmte Sachen. Wenn ich koche muss ich mich auch immer zurückhalten um es nicht zu übertreiben. Zur Verteidigung muss man aber sagen, dass die Beschichtung eine andere ist und mit nur ein wenig Öl ist es unmöglich etwas zuzubereiten, aber es wird auch gerne frittiert. Fried Plantains, Fried Rice, Fried Eggs, Fried Chicken, Fired Fish...Immer wenn ich frage wie dies und das zubereitet wird, erhalte ich in etwa diese Antwort: „You take garlic, you take onions, take tomatoes. Then you fry it..you put salt, put maggi, put pepe and then you boil it.“ Ist immer ein Gag unter Freiwilligen. Natürlich ist es nicht ganz so einseitig, aber in etwa läuft es so ab. Mit Maggi Cubes wird viel zubereitet. Gewürzregale wie wir es kennen, gibt es nur in Supermärkten und sind ziemlich teuer. Wenn ich doch die Politik von Nestlé nicht unterstütze, schmecken tut's letztendlich doch. Außerdem bin ich Maggi geschädigt, denn Mama sagt immer: „Ist nur für Leute, die nicht kochen können.“ Dann muss ich allerdings sagen, dass ich immer noch nicht kochen kann.

Ich bin ziemlich oft auf Beerdigungen. Hier sterben nicht unfassbar viele Menschen oder so, aber ich werde einfach unheimlich oft eingeladen. Das ist anders als in Deutschland. Ich glaube ich war auf zwei Beerdigungen bisher, ich hoffe das bleibt auch so. Ich war erst einmal auf einer Beerdigung von jemanden, den ich kannte. Und oft, stehen mir die Menschen, die mich einladen auch nicht wirklich nah. Ich habe es so in Erinnerung, dass ich in Deutschland nur zu Beerdigungen gegangen wird, wenn es einen trifft und/oder man die gestorbene Person sehr gut kennt. Tatsächlich war ich noch nie bei der Beerdigungszeremonie dabei, die ist tatsächlich für enge Freunde und Familie. Ich natürlich nicht von der Zeit in Nigeria, sondern nur von der in Kamerun. Danach gibt es immer Essen und Getränke und dort werde ich dann eingeladen. Ich glaube das liegt daran, dass Bali einfach klein ist, aber es definitiv anders als in Deutschland.

Ich könnte jetzt sicher noch tausend Dinge aufzählen, aber im Moment fällt mir nichts ein und ich habe meine Liste verlegt. Das ist auch anders hier, es verschwinden ständig Dinge. Unsere Wohnung ist zwar klein, aber ich bin mir sicher die Heinzelmännchen kommen hier nachts hin und klauen meine Shirts, Klamotten, Lippenstiffte und meine Liste, damit ich ordentlich berichten kann. Ich melde mich sehr bald wieder!


Last but nor least, bin ich hier anders. Mein ganzes Leben ist anders. Ich wohne alleine, keine Mama, kein Papa, wenn das Geld leer ist, ist es leer. Wenn ich ein Problem habe, muss ich irgendwie damit fertig werden. Nach Deutschland anzurufen wird mich meist nicht weiterbringen und außerdem werde ich damit mehr Menschen beunruhigen als ich mich besser fühlen würde. Und am nächsten Tag sieht die Welt meist doch wieder ganz anders aus. Mir fällt u.a. nichts mehr ein, weil ich mich hier mittlerweile zu Hause fühle. Was für mich anfangs fremd war, ist es jetzt nicht mehr. Ich koche und putze und wasche, kann machen was ich will und muss aber auch die Konsequenzen dafür tragen. Ich hab keinen der mir sagt mach das oder dies, aber genau das ist manchmal anstrengend. Dann hat man auch niemanden auf den man es schieben kann und muss selbst denken. Hotel Mama war schon angenehm, aber trotzdem ist das hier auch nicht schlecht.

So jetzt weiß ich gar nichts mehr. Bitte kommentiert und fragt und lasst mich wissen was gut ist. Soll ich lieber öfter und kürzer schreiben oder ist es so gut?

Bis bald!

Louisa

P.S.: Ich komme am 1.9. wieder nach Good Old Germany. Wenn Ihr interessiert seid, mache ich gerne mal einen Bilderabend und rede bis Ihr nichts mehr hören könnt, Ihr kennt mich ja, das ist gar kein Problem für mich.

Auch in Deutschland werde ich noch einmal ein paar Bilder hochladen, dann ist das Internet etwas schneller. Wie immer ein Bild zum Abschluss!




Class 6 der Holy Infant beim Üben für die End of the Year Party. Ein Aufführungspunkt ist das Tanzen auf die Charts.

Sportunterricht. Ich habe mit den 3. und 4. Klässlern der Holy Infanft Versteinern gespielt. Bild 2: Der Ausblick von der Holy Infants School und noch ein weiteres Bild vom Tanztraining

So sieht es dann tatsächlich aus, wenn es kurz vor der Apokalypse steht, kurz vor Regen. Die anderen zwei Bilder zeigen den Roundabout (Kreisel) und den Grand Stand (Tribüne) Balis. Immer wenn etwas Großes ansteht, trifft man sich hier.

Checkers (ein Brettspiel, dass ich erst hier kennengelernt habe) mit Mr. Gregory

Ostereieg basteln und anmalen bei Time to Be. Rechts seht ihr meinen Versuch.

Das hier ist unsere liebe Pow Pow Lady. Pow Pow ist eigentlich ein bestimmter Teig, der frittiert wird. Es ist ähnlich wie Berliner oder auch Kreppel genannt, aber nicht wirklich süß. Man kann es gut mit Bohnen essen und in unserem Fall noch Spaghetti. Pow Pow sind diese runden Kugeln, die ihr seht und unsere Lady schmeißt den Teig gerade in das kochene Öl.





 Ich hoffe es hat Euch gefallen! :)






Meine Schule(n) und meine Arbeit dort



Dieses Mal möchte ich euch davon berichten, was ich denn eigentlich im Moment so mache.

Ich habe mehrere Schulen, deshalb ist das alles unterschiedlich. Ich erzähle euch mal welche das sind und was ich im Moment mache

Government School Bali Town

Die Schule, auf der ich angefangen habe. Angfangs vier Tage die Woche, im Moment nur noch zwei Mal Sport. Mit der Government School und mir ist es ein ewiges Hin und Her. Es ist mit Abstand die anstrengendste Schule von allen und ist entweder sehr sehr schön oder sehr sehr anstrengend und frustrierend. Entweder sind meine Schüler super begeistert und strahlen den puren Spaß am Unterricht aus oder ich kriege die Klasse überhaupt nicht unter Kontrolle und bin am Ende der Stunde total fertig und die Kinder haben nichts Produktives gemacht.

Im Moment ist es aber richtig gut dort. Max singt mit seinen Klassen We will rock you von Queen und hat mich gefragt ob ich später mit meinen Klassen dazu tanzen kann. Deshalb bin ich momentan fleißig am Tanzen üben und zumindest die meisten Mädchen und Lehrer finden es super, die Jungs sind natürlich zu cool um zu zeigen, dass es dem ein oder anderen vielleicht doch gefällt, kennen wir ja alle.



Alpha School

Supercoole Schule, mit tollen Kollegen und einer, für mich, familiären Athmosühäre. Im Moment spiele ich mit den Kindern Handball und versuche mit ihnen Werfen und Fangen zu üben. In Musik singe ich mit ihnen Lollipop von Mika. Hört mal rein, ist richtig schön.


Holy Infant

Im Moment meine Lieblingsschule, im Gegensatz zu den anderen zwei Schulen, unterrichte ich dort Class 3 and 4 und nicht die 4. und 5. Klassen. Das macht aber richtig viel Spaß. Ich mache im Moßment Sport, Musik und Kunst. In Sport mache ich meistens Spiele wie Versteinern oder Übungen für Hand- und Fußball. In Musik singe ich ebenfalls Lollipop und erarbeite jede Stunde ein neues Instrument mit den Kindern. Dann üben wir wie es funkioniert, wie es heißt, wie es aussieht (wie man es malt) und wie man es schreibt. Das frage ich diesen Donnerstag mal ab, bin mir aber sehr sicher, dass sie das ohne Probleme meistern werden.

Kunst habe ich erst eine Stunde gegeben, in der letzten Stunde habe ich vom Osterhasen in Deutschland erzählt und dann haben wir alle Ostereier gebastelt und angemalt.



Time to Be

Das ist ein Nachmittagsprogramm für die Kinder der Government School. Wir haben immer einen Handball und einen Fußball mit, bald möchte ich auch ab und an Zumba als Sportangebot anbieten, Max Go, ein Strategiespiel. Dann gibt es immer eine große Box mit Stiften und Papier und manchmal dürfen die Kinder auch Friseur bei Ma/Madame/Auntie Louisa spielen. Aber danach wird des auch wieder aufgemacht, so kann man definitiv nicht ohne Scham rumlaufen.

Dort haben wir letztens auch Osterei basteln gemacht.


Projekte

Ich habe natürlich noch so einige Ideen, was man noch alles machen könnte. Eins davon ist ein Besuch vom Osterhasen, der meinen Schülern ein paar Kekse und ein gefärbtes Osterei verstecken wird. Theresa, eine Freundin von mir aus Bafoussam (sie macht dort ihren Freiwilligendienst) hat mir netterweise Farbe gegeben, also werde ich mich bald mal ans Werk machen.

Desweiteren habe ich ein paar Ideen, was ich dann tatsächlich umsetzte müssen wir noch sehen:

  • Eine Bücherei, damit Schulbücher nicht jedes Jahr neu gekauft werden müssen
  • Einen Spielraum mit Spielen, die sich regelmäßig ausgeliehen werden können.
  • Sportkurse für Klein und Groß
  • Einen Plan für den Umgang mit Müll in Bali.

Ich werde demnächst wieder viele Bilder hochladen, aber das Internet ist schon fast verbraucht und Ihr braucht wieder Lesestoff.

Bis bald,

Louisa